Gesprächsrunde im Rahmen der Interkulturellen Wochen: Alltagsrassismus – (k)ein Thema für Regensburg?!


Abwertende Blicke, Polizeikontrollen, falsche Verdächtigungen beim Einkaufen oder die ewig wiederkehrende Frage nach der Herkunft bzw. der Herkunft der Eltern – für manche Regensburger:innen gehören diese Situationen leider zum Alltag, was nicht heißt, dass man sich jemals daran gewöhnt. Am Dienstag, 27.09.2022, trafen auf der DEZ-Bühne Ivan Mahmoud, Vorstand von CampusAsyl, Adjoa Yeboah, Jugendbeirätin der Stadt Regensburg, Martina Ortner, Professorin an der OTH Regensburg, Patricia Kowalska, Beraterin bei Beratungsstelle B.U.D. Bayern sowie Nurdogan Cetinkaya aus dem Integrationsbeirat der Stadt Regensburg zusammen, um über die vielfältigen Erscheinungsformen von Rassismus in der Regensburger Stadtgesellschaft zu sprechen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Carsten Lenk vom Evangelischen Bildungswerk und Youssouf Adam, der langjähriges Mitglied im CampusAsyl-Vorstand war und aktueller Sprecher unseres Beirats ist. Wie Patricia Kowalska anmerkte, ging es dabei weniger, wie im Veranstaltungstitel impliziert, um die Frage ob es Rassismus in Regensburg gibt, sondern eher darum, wie sich dieser äußert, wer davon betroffen ist und welches Engagement nötig ist, um rassistischer Diskriminierung und Gewalt entgegen zu treten.

Einige der Podiumsgäste teilten eindrücklich persönliche Erfahrungen aus den Bereichen Arbeit, Wohnen, Reisen und Zusammenleben, die zeigten, wie alltägliche Ausgrenzungserfahrungen für rassistisch markierte Menschen eine dauerhafte psychische Belastung darstellen und es erschweren, sich als selbstverständlicher Teil der Stadtgesellschaft wahrzunehmen. Nurdogan Cetinkaya berichtete unter anderem wie Humor ihm persönlich hilft, mit schwierigen Situationen umzugehen, während Adjoa Yeboah darüber sprach, welche Unterstützung sie sich von Personen wünscht, die Zeug:innen von Diskriminierung werden. Wie die Teilnehmenden der Runde betonten, hänge es aber von vielen Faktoren ab, wie man sich als betroffene oder nicht-betroffene Person verhalten könne oder solle. Wichtig für Außenstehende sei es aber vor allen Dingen, nicht wegzusehen, sondern Solidarität mit rassistisch diskriminierten Personen zu zeigen. Martina Ortner, die sich in ihrer Rolle als Professorin für migrationssensible Soziale Arbeit ausführlich von wissenschaftlicher Seite mit der Thematik befasst, ordnete viele der Situationen anhand von psychologischen und sozialwissenschaftlichen Konzepten ein und beleuchtete immer wieder auch strukturelle Zusammenhänge, in denen Rassismus sich bewegt. Patricia Kowalska betonte zudem immer wieder die Unterstützungsmöglichkeiten für Personen, die negativ von Rassismus betroffen sind. Neben Beratung und Vermittlung psychologischer Angebote könnten je nach Bedürfnis der betroffenen Person auch rechtliche Schritte eingeleitet werden oder Diskriminierungsfälle medial einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Zum Ende der Veranstaltung wurde der Raum für Fragen und Anmerkungen aus dem Publikum geöffnet. Hierbei wurde in einigen bewegenden Statements erneut der mit der Thematik verbundene Schmerz und die Dringlichkeit des Themas Rassismus deutlich, das eine Auseinandersetzung aller damit unumgänglich macht. Wie in der Schlussrunde von den Anwesenden betont, geht Rassismus uns alle, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht, etwas an, weshalb auch die ganze Gesellschaft aufgerufen ist, sich damit auseinander zu setzen und zusammenzuarbeiten, um die tiefen rassistischen Strukturen aufzubrechen, die nach wie vor eine Grundlage für Diskriminierung und Ungleichheiten bilden.

 

von Antonia Vollmer



29.09.2022 16:01,
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