Der Projektkoordinierendentag mit und für alle Projektleiter_innen von CampusAsyl findet gewöhnlich zweimal im Jahr statt. Aufgrund der angespannten Lage mit COVID-19 im Frühjahr musste der geplante Projektkoordinierendentag im März dieses Jahres leider verschoben werden. Mit Hygienekonzept und ausreichend Platz konnte er nun doch zur Freude vieler am vergangenen Samstag in der KHG stattfinden. Der Tag wurde von den Koordinierenden selbst organisiert und dem Thema Gewaltfreie Kommunikation gewidmet. Den Grundlagenworkshop zu diesem Thema leitete Peter Schmid an, der sich als Trainer und Coach mit der Verbreitung dieser kommunikativen Kompetenzen selbstständig gemacht hat.

Während der ungefähr 3-stündigen Arbeitseinheit für die aus knapp 20 Personen bestehende Gruppe, führte Peter in die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation ein: Eine wichtige Rolle spielen dabei Selbstempathie und Aufrichtigkeit, die jede_r sich selbst entgegenbringen sollte und Empathie, die ich meinem Gegenüber schenken sollte. Die Projektkoordinierenden erhielten Einblicke in mögliche Handlungsmuster und Strategien, die erkannt und bei Bedarf umgedeutet werden können. Damit kann auch das eigene Denk- und Bewertungssystem hinterfragt werden. Als grundlegende Bausteine gelten dafür die Gefühle und Bedürfnisse jeder einzelnen Person. Peter nutzte dabei Methoden, die abwechslungsreich und anschaulich auch persönliche Fragen aus der Gruppe aufnehmen konnten.

Im Anschluss an den Workshop zur Gewaltfreien Kommunikation nutzte die Gruppe die Gelegenheit, sich bei einem Mittagessen gemeinsam draußen auf der Wiese zu verschiedenen Themen auszutauschen. Dabei wurde deutlich, dass die Projekte bei CampusAsyl ganz unterschiedlich stark auch jetzt noch von den Beschränkungen aufgrund von COVID-19 betroffen sind:

Mati als Koordinierender des Beirats berichtete, dass sich der Geflüchtetenbeirat von CampusAsyl auch während der Hochphase von Corona im Frühjahr regelmäßig digital traf, um ganz unterschiedliche Themen zu besprechen. Manche Beiratsmitglieder hatten jedoch aufgrund der Arbeit nicht so viel Zeit für die Besprechungen. Ein wichtiges Thema für den Beirat in dieser Zeit war beispielweise die Position des Beirats innerhalb des Vereins und die Durchführung einer Bestätigung durch die Vereinsmitglieder bei der Mitgliederversammlung, wie es auch für den Vorstand üblich ist. Seit letztem Donnerstag kann sich der Beirat nun auch wieder in Präsenzform treffen.

Das Kochprojekt war von Anfang an stark von den Beschränkungen betroffen, berichtet die Kochprojektleiterin Rosi. Das Kochen lebt von der Begegnung, dem gemeinsamen Zubereiten des Essens und dem Austausch vor Ort. Aufgrund des engen Raums in der Küche sind diese Aktivitäten auch jetzt leider noch nicht umsetzbar. Während der Pause kamen einige Nachfragen bezüglich einer Wiederaufnahme des Projekts. Rosi erzählt, dass sie sich zu dieser Zeit sehr ohnmächtig gefühlt hat, auch weil ihr zweites persönliches Projekt – das Kochen mit Schülern und Schülerinnen – pausieren musste. Sie arrangierte sich mit der Situation und schickt nun den Kindern Rezepte, die sie selbst ausprobieren sollen und mit einem Foto ihre Resultate teilen können. Dabei variieren die Ergebnisse der Kinder stark: manche machen ihre Aufgaben vorbildlich, andere tauchen eher unter. In der Schule wird Rosi wohl ab dem kommenden Schuljahr irgendwie in Präsenzform wieder starten können – das Kochprojekt von CampusAsyl muss voraussichtlich aber noch längere Zeit pausieren aufgrund der Räumlichkeiten, der Nähe und des bestehenden Risikos für alle Beteiligten.

Die Lernpatenschaften für Kinder, geleitet von Daria, bestehen aus einem Gruppentreffen mit Kindern und Betreuenden zusammen und einer Tandemvermittlung, bei der eine eins-zu-eins-Betreuung möglich ist. Daria hatte sich aufgrund der Beschränkungen zunächst alternative Konzepte überlegt: darunter beispielsweise die Idee, Arbeitsmaterialien zusammenzustellen und den Kindern direkt in die Gemeinschaftsunterkünfte zu bringen. Schnell stellte sie aber fest, dass die Schulen sich sehr engagiert um Materialien und Zugang der Kinder zum Lernen ermöglichten. Daria fokussierte sich daher mehr auf den Ausbau der Tandems für die Lernpatenschaften. Auch während der COVID-19-Beschränkungen gelang es ihr somit, neun Tandems seit Mai erfolgreich zu vermitteln. Ein Tandem besteht dabei häufig aus einer Studentin oder einem Studenten und einem Schulkind. Diese Entwicklung nimmt Daria als sehr positiv wahr und freut sich, dass das Tandemprojekt trotz der äußeren Umstände so erfolgreich ausgebaut werden konnte. Die aktuelle Situation bei den Lernpatenschaften zeigt, welche Herausforderungen die Risiken durch COVID-19 mit sich bringen. Das Hygienekonzept für das Projekt steht und Räumlichkeiten sind vorhanden – somit wäre eine baldige Wiederaufnahme tendenziell möglich. Daria muss sich dafür aber mit konkreten praktischen Fragen auseinandersetzen: wie können die Kinder die Lernmaterialien während des Treffens nutzen, ohne dass die Bücher durch viele Hände gehen und sich Keime verbreiten können? Welche Aktivitäten sind als Gruppe möglich? Wie viele Kinder können betreut werden? Der Plan besteht, ab den Sommerferien das Projekt wieder anlaufen zu lassen und sich dabei immer wieder an die jeweiligen Umstände anzupassen und flexibel zu bleiben. Ab dem kommenden Schuljahr ist dann vielleicht bereits ein größerer Start des Projektes wieder möglich.

Das Projekt der Azubi-Tandems, das im Jahr 2019 sehr erfolgreich gestartet ist, konnte seit März weder in Präsenzform und nur teilweise digital weitergeführt werden, berichtet eine der Azubi-Tandemprojektleiterinnen Lisa. Vor den Beschränkungen bestanden zwischen 30 und 40 Tandempaare. Als problematisch zeigt sich hier der Umstand, dass viele Geflüchtete entweder keinen eigenen Computer besitzen oder ihnen die entsprechenden Kenntnisse der ausreichenden Nutzung eines Computers fehlen, um ein Tandem stattfinden zu lassen. Ein wichtiger Aspekt der Azubi-Tandems setzt nämlich genau an diesem Punkt an: die Unterstützung durch die Tandempartner_innen besteht häufig bei der Nutzung des PCs, wenn beispielsweise selbst das Tippen auf der Tastatur für die Geflüchteten sehr umständlich ist. Einige Tandempaare haben dennoch regelmäßig telefoniert und so versucht, gemeinsam zu lernen oder sich auszutauschen, denn selbst für Zweiertreffen waren keine entsprechenden Räumlichkeiten verfügbar. Da viele Tandempartner_innen Studierende sind, brachen einige von ihnen ihr Tandem ab, da sie sich aufgrund der digitalen Lehre des Sommersemesters mit mehr Arbeit konfrontiert sahen. Dennoch gibt es auch positive Nachrichten aus den Azubi-Tandems: ein Tandempaar hat sich fleißig weiter getroffen und der Auszubildende hat jetzt auch seine Ausbildung erfolgreich abschließen können.

Als positive Bilanz aus den CampusAsyl-Projekten zeigt sich also hier: bis auf vier Projekte (Kochen, Nähen, Kinderbetreuung, Internetcafé) finden derzeit alle anderen Projekte wieder statt – sei es auch unter neuen oder veränderten Bedingungen.



27.07.2020 10:04,



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