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Mit nachstehendem Tätigkeitsbericht des CampusAsyl e.V. für das Jahr 2018 wollen wir allen interessierten Personen einen kleinen Einblick in die zurückliegenden Aktivitäten des Kalenderjahres bieten. Dabei kann selbstverständlich nur auszugsweise auf Tätigkeiten/Ereignisse/Entwicklungsschritte eingegangen werden. Bei konkreten Nachfragen stehen wir jederzeit gerne zur Verfügung.

Wissenschaftsnetzwerk Migration und Integration

2017 ins Leben gerufen, konnte das Wissenschaftsnetzwerk Migration und Integration am 19./20. Juni erstmals eine gemeinsame Tagung realisieren. Die Beiträge von ProfessorInnen, Dozierenden und Studierenden aus neun Disziplinen boten einen vielseitigen Einblick in aktuelle Forschungsstände, fachspezifische Erkenntnisse und weiterhin offene Fragen zum Themenkomplex Migration und Integration. Die einzelnen Ergebnisse der Tagung sollen in einer Publikation festgehalten werden, die voraussichtlich 2019 fertiggestellt wird.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Preisverleihung für ausgezeichnete Masterarbeiten zum Themenbereich „Auseinandersetzung mit der Situation Geflüchteter in Deutschland“, welche mit ca. 90 Gästen, u.a. Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, sehr gut besucht war. In diesem Rahmen wurde auch die Ausstellung „Zwischenräume. Flüchten – Warten – Wohnen“, konzipiert von Lehrenden und Studierenden der Vergleichenden Kulturwissenschaft, eröffnet. Die Ausstellung, für die CampusAsyl als Kooperationspartner fungierte, war u.a. an der Universität, im Donaueinkaufszentrum und im Historischen Salzstadel zu sehen.

Im November durfte CampusAsyl, gemeinsam mit den Kooperationspartnern Evangelischen Bildungswerk und dem Leibnitz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, den renommierten Migrationsforscher Prof. Dr. Jochen Oltmer der Universität Osnabrück für einen Vortrag zum Thema „Migration und Flucht: Worüber sprechen wir eigentlich (nicht)?“ begrüßen. Die sehr gut besuchte Veranstaltung widmete sich neben historischen Migrationsbewegungen unter anderem der Betrachtung von Grundlinien des Redens und Schreibens über Migration und Flucht. So wurden unter anderem die Fragen diskutiert, weshalb sich Gesellschaften zum Teil offen gegenüber Migration zeigen und sich dann wiederum Perspektiven der Schließung ausmachen lassen.

Auszeichnungen

Im Jahr 2018 wurde CampusAsyl zweimal für seine Arbeit ausgezeichnet. Ganz besonders gefreut haben wir uns zum einen über die Verleihung der „Stadtschlüssel“ durch den Stadtrat Regensburg. Die Medaille wurde dem Verein am 17. November im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung zum Stadtfreiheitstag durch die Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer verliehen. Diese Anerkennung motiviert uns, weiterhin dazu beizutragen, dass Regensburg eine bunte und tolerante Stadt bleibt.

Zum anderen wurde CampusAsyl deutschlandweit mit 99 anderen Organisationen für ein Beratungs- und Coaching-Stipendium der Initiative Startsocial ausgewählt. Seit Ende November 2018 begleiten zwei Coaches den Verein für 4 Monate. Gemeinsam mit ihnen sollen insbesondere Themen der längerfristigen Weiterentwicklung der Vereinstätigkeit und -organisation bearbeitet werden.

Zukünftige Schwerpunktsetzung

Auf seiner alljährlichen Klausurtagung erarbeitete der Vorstand von CampusAsyl im Februar 2018 zwei Schwerpunkte der zukünftigen Vereinstätigkeit. In den Bereichen „Unterstützung in Bildungsprozessen“ sowie „Frauenförderung“ wird die Projektarbeit des Vereins dementsprechend in der Zukunft noch weiter intensiviert werden. Der Schwerpunkt „Unterstützung in Bildungsprozessen“ wurde ausgewählt, da Kinder, Jugendliche und Studierende mit Flucht- und Migrationshintergrund nachweislich schlechtere Ausgangspositionen im deutschen Bildungssystem haben. Durch gezielte Projekte wollen wir dazu beitragen, diese unterschiedlichen Startvoraussetzungen teilweise auszugleichen. Der zweite Schwerpunkt „Frauenförderung“ wurde vor dem Hintergrund ausgewählt, dass in vielen CampusAsyl-Projekten geflüchtete Frauen unterrepräsentiert sind. Nachweislich verlaufen Integrationsprozesse von erwachsenen Frauen oft langsamer als bei erwachsenen Männern oder bei Kindern und Jugendlichen. Zur Behebung dieses Ungleichverhältnisses wollen wir im Verein beitragen. Für das Jahr 2019 plant CampusAsyl, längerfristige Strategien zum Ausbau der Arbeit in den zwei Schwerpunktbereichen zu erarbeiten und erste Schritte zu implementieren.

Fortbildungen

In etablierter Kooperation mit dem Evangelischen Bildungswerk und der Volkshochschule Regensburg konnte CampusAsyl auch 2018 ein umfängliches Fortbildungsprogramm realisieren. Themen wie Mehrsprachigkeitsförderung, der Arbeitsmarktzugang für Geflüchtete oder die rechtlichen Rahmenbedingungen des Familiennachzugs wurden dabei neben mehreren CampusAsyl-spezifischen Basis-Schulungen für neue Freiwillige durchgeführt. 2019 wird CampusAsyl erneut ein Fortbildungsprogramm für Freiwillige und Geflüchtete auflegen.

Neue Projekte

Wir freuen uns sehr, dass auch im Jahr 2018 neue Projekte bei CampusAsyl entstanden sind. Sie beweisen, dass der Verein vital ist und sich kontinuierlich neuen Anforderungen und Gegebenheiten anpasst.

Seit Mai diesen Jahres gibt es einen integrativen Chor, der einmal wöchentlich Lieder aus aller Welt singt und bereits mehrere kleine Auftritte absolvieren konnte. Fernab von Vorsingen und Aufnahmeprüfungen teilen in der Gruppe Menschen verschiedenen Hintergrunds schlicht ihre Freude am gemeinsamen Singen. Ebenfalls im kreativen Bereich angesiedelt, hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2018 ein Theaterprojekt in der Gemeinschaftsunterkunft Guerickestraße gegründet. Nach einigen Einstiegs-Monaten  mit theaterpädagogischen Übungen wird die Gruppe ab Januar ein Stück einüben und dieses zur Aufführung bringen.

Fahrräder sind insbesondere für viele Geflüchtete wichtig, um Mobilität in der Stadt zu erlangen. Angesichts oft alter und reparaturbedürftiger Räder hat sich im Sommer 2018 eine Fahrradwerkstatt gegründet, in der Freiwillige gemeinsam mit Geflüchteten Reparaturen an Rädern vornehmen.

Nachdem die Pestalozzi-Grundschule, welche auch viele geflüchtete Kinder besuchen, 2018 mit einer umfänglicheren Nachmittagsbetreuung startete, war die CampusAsyl-Hausaufgabenbetreuung in der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße in ihrer ursprünglichen Form überflüssig geworden. Statt das Projekt zu beenden, entschlossen sich die Verantwortlichen jedoch zu einer qualitativen Weiterentwicklung. In sogenannten Lernpatenschaften unterstützen RegensburgerInnen nun die Grundschulkinder ganz individuell bei ihren Bedürfnissen und Herausforderungen.

Vernetzung und Kooperationen

Auch 2018 konnte CampusAsyl drei Treffen des sog. Regensburger Flüchtlingsforums, gegründet 2017, mitorganisieren. Das Gremium bringt alle vier Monate ehrenamtliche, hauptamtliche und hoheitliche Akteure in Regensburg zum Austausch und zur gemeinsamen Lösungsfindung für verschiedene Herausforderungen zusammen. 2018 sprach das Forum u.a. über „Frauen im Asyl- und Integrationsprozess“ sowie über das Thema „Integration in den Arbeitsmarkt“. Für 2019 sind drei weitere Treffen geplant.

Ende September konnte CampusAsyl ein bereits länger gehegtes Vorhaben realisieren. Zwei Spieler der U21-Mannschaft des SSV Jahn Regensburg besuchten das Fußballprojekt des Vereins. Der Besuch, dem mittlerweile ein zweiter und eine Einladung ins Stadion folgten, fand im Rahmen von „Jahn Patenschaften“, einem Projekt der Jahn Sozialinitiative „Brücken für Regensburg“, statt. Für die Zukunft ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen CampusAsyl und dem SSV Jahn in Form von weiteren Besuchen angedacht.

(Gesellschafts-)politische Arbeit

Die intensiven politischen Debatten rund um den Themenkomplex Flucht, Asyl, Migration und Integration im Jahr 2018 haben auch CampusAsyl veranlasst, sich durch Veranstaltungen und Positionierungen in die (gesellschafts-)politischen Debatten einzubringen. So veranstaltete der Verein u.a. vor der bayerischen Landtagswahl erneut eine Podiumsdiskussion mit Regensburger DirektkandidatInnen, mehrere Filmvorführungen wurden begleitet (darunter der Film „Human Flow“ von Ai Weiwei), eine asylpolitische Radtour durch den Regensburger Stadtosten konnte angeboten werden und CampusAsyl trat als Unterstützer der Demonstration „Bayern bleibt bunt“ am 06. Oktober auf dem Neupfarrplatz auf. Ein besonderes Anliegen ist dem Verein die gemeinsame Positionierung mit fünf anderen Regensburger Organisationen der Flüchtlingsarbeit gegen die Einführung von sogenannten Anker-Einrichtungen. Der Brief stellt klar heraus, dass Anker-Zentren soziale Trennung für mitunter lange Zeiträume forcieren, Geflüchtete im Asylprozess enorm einschränken (z.B. Beschulung in Einrichtung) und damit künstlich ein Klima der Desintegration und Abwehr schüren.

Vereinsleben

Im Jahr 2018 konnte CampusAsyl e.V., der mittlerweile 220 Vereinsmitglieder zählt, zwei ordentliche Mitgliederversammlungen abhalten. Auf der Versammlung im März diesen Jahres trat Lena Jung als Vorstandsmitglied zurück und wurde durch Dennis Forster abgelöst, der ihre Aufgabe als Kassenwart übernahm. Die nächste Jahreshauptversammlung mit Neuwahl des kompletten Vorstands steht am 28. Januar 2019 an.

Bereits 2017 erstmals durchgeführt, konnten wir 2018 erneut zwei CampusAsyl-Wochenenden und ein Projektleiterwochenende mit insgesamt über 120 TeilnehmerInnen absolvieren. Die Wochenenden dienen dem Austausch zwischen den ProjektteilnehmerInnen, der Weiterentwicklung der Pro-jektarbeit, dem Entwickeln neuer Ideen zur Zukunft CampusAsyls und der Fortbildung der ProjektleiterInnen und ProjektteilnehmerInnen. Für 2019 sind alle drei Wochenenden erneut angedacht, haben sie doch bewiesen, dass sie dem Verein und den Freiwilligen immer wieder neue Impulse und Denkanstöße liefern.

Besonders hervorzuheben ist die Rolle des CampusAsyl-Beirats, in welchem Geflüchtete sich innerhalb des Vereins vernetzen, als Mittler hin zu ProjektteilnehmerInnen fungieren und dem Vorstand beratend zur Seite stehen. Der 2017 ins Leben gerufene Beirat festigte sich im vergangenen Jahr zunehmend, ist als Gruppe zusammengewachsen und nahm neue Mitglieder auf. Mit Menschen aus Syrien, dem Irak, Äthiopien, Afghanistan und dem Tschad hat sich der Beirat zunehmend diversifiziert und verdeutlicht aus unserer Sicht, welches Potenzial darin liegt, Geflüchtete selbst stärker in die Entwicklung des Vereins miteinzubeziehen. Der Beirat organisierte im August diesen Jahres ein mehrtägiges Zeltlager für ProjektteilnehmerInnen des Vereins in Kallmünz. Die Aktion fand großen Anklang und soll deshalb im Sommer 2019 wiederholt werden.

Projekte 2018

Nachstehende Projekte liefen 2018 erfolgreich im Verein und werden auch 2019 fortgesetzt (falls nicht extra vermerkt).

  • Sprachförderung
    • Vermittlung von Sprachpatenschaften
    • Deutsch-Nachhilfe in Gemeinschaftsunterkünften
    • Frauensprachkurse mit begleitender Kinderbetreuung
  • Hochschule
    • Mentoring-Projekt (Begleitung und Unterstützung von studierenden Geflüchteten durch Studierende an den Regensburger Hochschulen)
  • Alltag und Freizeit
    • Sport
      • Fußball für Kinder und Erwachsene
      • Basketball
      • Volleyball
      • Tanzen für Frauen
      • Schwimmkurse
      • Yoga
      • Fitness
      • Spiel und Sport für Kinder in den Anker-Einrichtungen
      • Lauftreff
      • Kletterkurs
    • Musik (gemeinsames Musizieren mit Kindern in der Anker-Einrichtung)
    • Theater (offener Schauspiel-Treff sowie festes Ensemble)
    • Chor (wöchentliche Proben)
    • Kunst (Kreativworkshops in der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße und im W1 – Zentrum für Junge Kultur)
    • Kochen (zweimal im Monat bereitet eine gemischte Gruppe Speisen aus aller Welt zu)
    • Nähen (Angebot für Geflüchtete in der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße, Kleidung zu nähen/umzunähen)
    • Internetcafés (Angebot für Geflüchtete in der Anker-Einrichtung und in der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße, mit gespendeten Laptops Deutsch zu lernen und ihre Freizeit zu gestalten)
    • Kleiderkammer (Annahme, Sortierung und Ausgabe von gespendeter Kleidung in der Anker-Einrichtung)
    • Fahrradwerkstatt (wöchentliches Angebot in wechselnden Unterkünften)
    • Frauenteestunde in der Anker-Einrichtung
  • Kinder und Jugendliche
    • Kinderbetreuung (wöchentliches Angebot einer Kinderbetreuung in zwei Gemeinschaftsunterkünften)
    • Freizeitaktivitäten mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (wöchentliche Treffen zwischen SchülerInnen des Albrecht-Altdorfer Gymnasiums und unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Das Projekt wurde im Dezember 2018 eingestellt.)
    • Lernpatenschaften in der Gemeinschaftsunterkunft Dieselstraße
  • Helferkreise
    • Helferkreise für die Gemeinschaftsunterkünfte Guericke- und Dieselstraße (wöchentliche Sprechstunde, Freizeitangebote, Fortbildungen)
  • Unterstützende Strukturen
    • Beirat (Geflüchtete vernetzen und engagieren sich innerhalb CampusAsyls und stehen dem Verein beratend sowie aktiv zur Seite)
    • Dolmetscher- und Übersetzerpool (Übersetzung von Dokumenten für CampusAsyl und befreundete Organisation sowie sprachliche Unterstützung von Geflüchteten bei wichtigen Behörden-/Arztterminen. Das Projekt wurde Mitte 2018 eingestellt.)
    • Arbeitskreis Politik (Austausch und Positionierung zu politischen Inhalten sowie Organisation von Vortragsreihen und politischen Diskussionen)
    • Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Unterstützung bei der Außenkommunikation des Vereins)
  • Wissenschaftsnetzwerk Migration (Vernetzung an Universität und OTH Regensburg zur Forschung im Themenbereich Flucht/Migration, Veranstaltung einer wissenschaftlichen Konferenz im Jahr 2018)


15.01.2019 14:31,
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