„Race does not exist. But it does kill people.“ (Colette Guillomin)

Die Auswirkungen, die Rassismus für betroffene Menschen hat, werden uns heute immer wieder medial vor Augen geführt, wenn über Opfer von rassistisch motivierten Anschlägen oder gewalttätigen Übergriffen berichtet wird. Doch nicht nur die Personen aus den Schlagzeilen, sondern Millionen weitere erleben täglich Ungerechtigkeiten und Diskriminierung in ihrem Alltag, im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, bei der Wohnungssuche, auf Reisen oder in ihrem sozialen Umfeld. Rassismus zu erfahren ist für viele Menschen in Deutschland ständige Realität. Es ist also höchste Zeit, konstruktive Lösungen zum Abbau rassistischer Strukturen zu finden und in Richtung eines rassismuskritischen Miteinanders auf allen gesellschaftlichen Ebenen hinzuarbeiten. Was können wir dabei als Gruppen oder Individuen beitragen? Wie kann ich reagieren, wenn ich Rassismus bemerke, der anderen in bestimmten Situationen widerfährt oder wenn ich selbst von Rassismus betroffen bin? Wie kann ich meine eigenen Stereotype und rassistischen Denkmuster erkennen und verändern?

Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten wir, eine Gruppe von neunzehn Teilnehmenden, uns im Workshop „Rassismus-Sensibilisierung“, der Anfang Oktober im Rahmen der Interkulturellen Wochen in Regensburg stattfand und von CampusAsyl in Kooperation mit der KEB in der Stadt Regensburg e.V. veranstaltet wurde. Die Workshopleiter*innen Hamado Dipama, Eliza Skowron und Iman Bakkali führten die Gruppe gemeinsam durch den Tag, wobei es viele Denkimpulse, Raum für das Teilen von Erfahrungen und Diskussionen gab. Als Ausgangspunkt während des Workshop galt das gemeinsame Lernen in der Gruppe. Statt Abwehrreaktionen, nach dem Schema „Ich bin doch nicht rassistisch!“, wie sie wahrscheinlich die meisten Personen schon bei sich und anderen beobachten konnten, stellen  Neugier und Offenheit die Grundlage dafür dar, verinnerlichte Mechanismen zu erkennen und zu verändern.

Um hinter diese Denk- und Verhaltensmuster zu kommen, die maßgeblich für die Reproduktion rassistischer Vorurteile und Strukturen verantwortlich sind, beschäftigten wir uns mit den zwei Arten des Denkens nach Kahnemann. Während das schnelle Denken schnell und automatisch abläuft und spontane Emotionen sowie Stereotype und Vorurteile wachruft, bietet das langsame Denken die Möglichkeit, einen Schritt zurück zu treten, die Situation genauer zu reflektieren und so das eigene Verhalten zu hinterfragen. Außerdem ging es um wichtige Begriffe, die im Zusammenhang mit der Debatte um heutigen Rassismus immer wieder auftauchen. So lernten wir den Unterschied zwischen Diskriminierung und Rassismus kennen, besprachen das Konzept der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit und der Intersektionalität, diskutierten über Vorurteile und die verschiedenen Ebenen, auf denen Rassismus in unserer Gesellschaft verankert ist. Es wurde die Fragen geklärt, was hinter den Konstruktionen Schwarz und weiß steckt und warum weiße Menschen zwar von verschiedenen Formen der Diskriminierung, nicht jedoch selbst von Rassismus betroffen sein können. Die Teilnehmenden des Workshops überlegten zudem, welche Privilegien sie selbst bei sich entdecken könnten – Eigenschaften, für die man selbst nicht wirklich etwas getan hat, die jedoch in bestimmten Situationen mit Vorteilen und einer höheren Machtposition gegenüber weniger anderen Menschen verbunden sind.

Bei aller Reflexion über die eigene Positionierung in der Gesellschaft wurde uns jedoch klar, dass es in der Regel wenig bringt, sich in Schuldgefühlen, Trauer oder Frust über den Ist-Zustand zu verlieren. Stattdessen war es ein Appell der Workshop-Leiter*innen, Vorurteile ab- und Gemeinsamkeiten aufbauen, sodass wir zusammen an einer Verbesserung der gesellschaftlichen und politischen Strukturen arbeiten können. Hierbei sollte jede und jeder bei sich selbst anfangen. Die Inhalte des Workshops boten dabei wertvolle Denkanstöße, dennoch sind bei der Thematik noch viele Gespräche und viele Lernschritte nötig, um das historisch gefestigte rassistische System aufzulösen.

Zum Ende des Workshops probierten wir einige Erkenntnisse des Tages praktisch aus, indem wir kleine Szenen von Alltagssituationen spielten, in denen Personen Rassismus erfuhren. Unsere Aufgabe war es, einen Lösungsvorschlag anzubieten, wie die betroffene Person oder ihr Umfeld reagieren könnte. Obwohl es uns manchmal schwer fiel, auf eine wirklich hilfreiche Idee zu kommen, konnten wir uns darauf einigen, dass es sowohl als betroffene als auch als außenstehende Person in den meisten Fällen besser ist, die Ungerechtigkeit zu thematisieren und Rassismus beim Namen zu nennen. Denn: „Nicht alles, was angeschaut wird, kann verändert werden, aber ohne Hinschauen wird sich auch nichts ändern“ (James Baldwin).

Danke an alle, die organisiert und teilgenommen haben!

 

Von Antonia Vollmer



29.10.2020 13:33,
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