Aller Anfang ist schwer – gerade Studierende wissen, wie viel Wahres in diesem Satz steckt. Das Gefühl, niemanden zu kennen, die Regeln des neuen Umfelds, vielleicht einer fremden Stadt, nicht zu beherrschen und keine Ahnung zu haben, was als nächstes passiert, kann aufregend sein und voller Vorfreude, es kann aber auch ziemlich verunsichernd wirken. Völlig entspannt ist vermutlich fast niemand, wenn sich alles verändert und man ist froh um eine freundliche Aufnahme und ein wenig Hilfe, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Aus diesem Gedanken heraus entstand das Mentoring Projekt des Vereins CampusAsyl, welches Geflüchteten, die in Regensburg ein Studium beginnen, jeweils für ein Semester Tandempartner vermittelt, die ihnen im verwirrenden Unialltag und darüber hinaus mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gleichzeitig bietet das Projekt den „alten Hasen“ die Möglichkeit, eine andere Kultur kennenzulernen oder sich noch ein wenig mehr mit den Strukturen der eigenen Hochschule auseinander zu setzen, teilweise können sie sich die Mentorentätigkeit auch als Credits für ihr Studium anrechnen lassen. Und selbstverständlich sollen auch Spaß und gegenseitiger Austausch zwischen Mentees und Mentoren nicht zu kurz kommen.

Organisiert wird das Projekt, das mit Beginn des Sommersemesters erneut angelaufen ist, von Theresa und Anna, die beide aus eigener Erfahrung wissen, dass man sich selbst als Muttersprachlerin am Angang des Studiums ziemlich verloren vorkommen kann, angesichts der organisatorischen Feinheiten und der Unkenntnis über die bisweilen seltsamen Gepflogenheiten an Universität oder Hochschule. Vor Beginn des Semesters füllen interessierte zukünftige und bereits Studierende ein Formular mit ein paar Eckdaten zu ihrer Person, wie Alter, Studiengang und Freizeitbeschäftigungen aus, welches die Zuteilung der Tandems später erleichtern soll. Beim ersten Treffen findet dann zunächst eine Schulung und ein kleines interkulturelles Training für alle statt, danach erfahren die Teilnehmenden in Gesprächen und Kennenlernspielen langsam mehr übereinander und werden schließlich von den Organisatorinnen in kleinere Teams eingeteilt. Mit der Zeit sollen sich aus diesen Großgruppen etwa fünf bis sieben Tandems von zwei bis drei Personen bilden, die Wahl bleibt nun bei den Mentees und Mentoren selbst. Das kann ganz schön schwierig sein, erzählen die Studierenden, schließlich hat man sich ja gerade zum ersten Mal getroffen, doch zum Glück ist diese Wahl trotzdem kein Ausschlusskriterium, mit wem man sein kommendes Semester verbringen muss – in regelmäßigen Treffen der Großgruppe und der Gesamtgruppe gibt es genug Möglichkeiten, mehr Menschen kennenzulernen und neue Freundschaften zu knüpfen.

Das Projekt sieht vor, dass sich die Tandems selbstorganisiert circa einmal in der Woche treffen, was genau man zusammen unternimmt oder bespricht, ist natürlich in jedem Team individuell unterschiedlich. Wichtig ist es, dass die Mentees, die entweder gerade einen auf das Studium vorbereitenden Deutschkurs absolvieren oder bereits an der Universität oder der Hochschule studieren, Ansprechpartner für all diese chaotischen Dinge haben, auf die man im deutschen (Studien-)Alltag so trifft. Etwa auf der Hälfte des Semesters gibt es ein Reflexionstreffen, mit den Organisatorinnen und der Großgruppe, wo aufgetretene Konflikte oder Komplikationen thematisiert werden können und positives wie negatives Feedback zum Projekt einen Raum findet. Alle zwei Wochen soll außerdem eine der Großgruppen eine Veranstaltung für alle Teilnehmenden planen, dies kann zum Beispiel gemeinsames Grillen, Klettern, ein Museumsbesuch oder ein Ausflug in der Umgebung sein.

Die erste dieser Veranstaltungen führte die Gruppe nach Tegernheim, von wo sie eine abendliche Wanderung mit anschließendem Picknick machten. Schon auf der Busfahrt ist die gute Stimmung spürbar und einige Mentoren, die teilweise in früheren Semestern auch schon einmal Mentee waren, erzählen, dass sie schon zum wiederholten Mal an dem Projekt teilnehmen, „weil man einfach so coole Leute trifft“. Momentan besteht die Gruppe aus etwa 70 jungen Menschen, wovon die große Mehrheit aus Syrien und Deutschland kommt, doch natürlich ist es unmöglich, dass alle auch Zeit finden, bei dem Ausflug mitzukommen. Generell sei es oft schwierig, Termine für Treffen zwischen Tandempartner und –partnerinnen zu finden, da über den Tag verteilte Vorlesungen, Nebenjobs und diverse andere studentische Aktivitäten nicht mehr viel Luft dafür lassen. Ein syrischer Student, der nun schon im zweiten Semester ist, meint: „Am Anfang dachte ich, die Deutschen lügen, wenn sie sagen, dass sie keine Zeit haben, aber jetzt weiß ich, dass es wirklich so ist.“ Trotzdem ist es immer wieder schön, die kleinen Aktivitäten des Projekts in seinen Alltag zu integrieren, wie man den Teilnehmenden, die scherzend und lachend in den Sonnenuntergang ziehen, deutlich ansieht.

Und was bleibt, wenn das Semester und damit das Mentoring Projekt abgeschlossen sind? Da nun hoffentlich alle Fragen über den Studienalltag beantwortet sind, kann man sich beim gemeinschaftlichen Abschlussgrillen noch einmal entspannt über die schönsten Momente des Semesters austauschen, internationales Essen kosten oder sich einfach über die neuen Bekanntschaften freuen. Zum Glück sind die Freundschaften mit Ende des Semesters ja nicht vorbei, sondern bleiben oftmals darüber hinaus bestehen und vielleicht sieht man sich ja schon bald in einer neuen Runde des Mentoring Projekts.

 

Ein Beitrag von Antonia Vollmer



31.05.2018 12:55,
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