Die Stiftung Bildung und Gesellschaft hat für den Monat September den mit 1.000 Euro dotierten Primus-Preis an unser Projekt „Azubi-Tandems“ vergeben. Bei diesem Projekt erhalten Azubis mit Fluchtgeschichte individuelle Lernunterstützung während ihrer Ausbildungszeit.

Gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe für Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe – und sie gelingt konkret in vielen kleinen Projekten. Ein Beispiel dafür sind die „Azubi-Tandems“ von CampusAsyl, die der Stiftung Bildung und Gesellschaft nun preiswürdig erschienen. Seit Januar 2019 bekommen junge Geflüchtete, die eine Ausbildung absolvieren oder eine Berufsschul-Vorklasse besuchen, Lernpaten an die Seite, meist Regensburger Studierende. So haben sich Tandems gebildet, die gemeinsam auf den Bildungserfolg hinarbeiten.

Azubis und Tutor_innen treffen sich normalerweise einmal die Woche für anderthalb Stunden. Wie sie diese Zeit gestalten, steht ihnen frei, ebenso die Wahl von Lernschwerpunkten und -methoden. Auch persönliche Probleme können besprochen werden. Das Projekt kommt vor allem denjenigen zugute, die aufgrund ihres asylrechtlichen Status keine anderen Unterstützungsangebote bewilligt bekommen. Die größte Gruppe unter den 43 derzeit teilnehmenden Auszubildenden stammt aus Afghanistan. Außerdem sind junge Menschen aus dem Irak, Somalia, Äthiopien, Mali, Pakistan, Liberia, Eritrea und Syrien mit dabei.

CampusAsyl hat die deutschen Tandempartner_innen in Schulungen auf ihre Aufgabe vorbereitet. Das Angebot stößt bei den Ehrenamtlichen auf große Resonanz. Nur so konnte schon nach kurzer Zeit eine vergleichsweise hohe Zahl an Lerntandems zusammenfinden. Ziel ist es, dass die Azubis erfolgreich in den Beruf starten können. Erste Erfolge zeichnen sich bereits ab. CampusAsyl e.V. ist zurzeit der größte ehrenamtliche Akteur in Ostbayern für die Koordinierung von Begegnungsprojekten. Seit seiner Gründung im Jahr 2015 ist er zu einem professionell geführten Verein mit rund 300 Freiwilligen avanciert, die sich der partnerschaftlichen Arbeit mit Geflüchteten verpflichtet sehen.

„Die Azubi-Tandems wirken praxisorientiert genau da, wo Angebote bislang fehlten“, meint Birgit Ossenkopf, Geschäftsführerin der Stiftung Bildung und Gesellschaft. Hervorzuheben sei auch, dass das Projekt eng mit den Berufsschulen vernetzt sei und keine Parallelstrukturen aufgebaut habe. Birgit Ossenkopf: „Bildung kann geflüchteten Menschen – egal welchen Alters – eine Perspektive für ein neues Leben eröffnen.“

 

Der Primus-Preis wird jeden Monat an ein kleines, vorbildliches Projekt vergeben. Die Stiftung Bildung und Gesellschaft will damit Initiativen fördern, die ein konkretes Problem in der Kita oder in der Schule vor Ort aufgreifen und lösen wollen. Wichtig ist, dass die Projekte auf alle Regionen übertragbar sind und nicht parallel agieren, sondern an das staatliche Bildungssystem andocken. Lokale Akteure – wie zum Beispiel Arbeitsagenturen oder Schulämter, aber auch Unternehmen sowie kulturelle Einrichtungen – sollten einbezogen sein. Aus allen von Januar bis Dezember ausgezeichneten Projekten wird der Primus des Jahres gewählt und mit insgesamt 5.000 Euro Preisgeld prämiert.



28.09.2020 09:20,
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