Im Kurs „Leadership Credo“ trainieren Frauen für die Berufstätigkeit. Es ist der vorerst letzte von „WomenTogether“.

Es gibt solche Tage, da steht eine besondere Performance an im Job – man soll eine Präsentation halten, andere von einem Projekt überzeugen – und dann geht morgens alles schief: die Kinder schreien, ein Schuh ist nicht zu finden, das Fahrrad ist kaputt und der Busfahrer sauer, weil er auf die Nachzüglerin warten muss. Wer so in den Tag startet, möchte am liebsten gleich wieder umkehren. In solchen Situationen ist es hilfreich, Strategien zu kennen, die helfen, den Stress  hinter sich zu lassen.

Diese Strategien sind die Expertise von Melanie Rainer, Schauspielerin und Coach aus Regensburg. In einem Intensiv-Workshop zeigte sie kürzlich: Wer sich vom Stress beherrschen lässt, ihn sogar noch auf andere überträgt, gerät tiefer in die Spirale. Wer es schafft, sich auf seine positiven Energien zu besinnen, ist für Herausforderungen gewappnet. Der Workshop ist Teil des aktuellen Women-Together-Kurses „Leadership Credo“. Wie alle Kurse aus dem Women-Together-Projekt richtet er sich an geflüchtete Frauen mit Bleibeperspektive, die (berufliche) Perspektiven für das Leben in Deutschland entwickeln, Erfahrungen austauschen, sich vernetzen und neue Kompetenzen aufbauen wollen. Der Verein CampusAsyl organisiert das vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte Projekt. „Leadership Credo“ eignet sich insbesondere für Frauen, die eine Berufstätigkeit anstreben oder für Herausforderungen im Job gerüstet sein wollen. „Ziel des Workshops ist es, auf der Bühne zu stehen und vor den anderen ihre Geschichte zu erzählen“, sagt Melanie Rainer, bei der es an diesem Vormittag im Familienzentrum der Evangelischen Jugendsozialarbeit (EJSA) um Körpersprache, Sprache, Emotionalität und Bühnenpräsenz geht.

Eine ihrer Übungen besteht darin, sich Farbe in den Raum zu imaginieren: „Wir haben magische Zauberhände und machen durch Händeklatschen den Raum ganz bunt“, ruft Rainer den Frauen zu, die daraufhin klatschend umherwandern. Anfangs zurückhaltend, dann mit immer mehr Tempo und Spaß an der Sache laden die Frauen den Raum mit fast greifbarer Energie auf. Die entspannte Atmosphäre erleichtert den vertrauensvollen Austausch. Bei der „Maschinen“-Übung steht Teamwork im Mittelpunkt: Jede Frau bildet ein „Rädchen“, das eine bestimmte Bewegung vollführt und sich mit den andern zu einem großen Ganzen ergänzt – wie bei einer Maschine, die rund läuft.

Teilnehmerin Majdoulin Hamza steht bereits erfolgreich im Beruf – sie unterrichtet Arabisch an der Ostbayerischen Technischen Hochschule und an der Volkshochschule. „Das ist auch wie eine Bühne“, sagt sie. Nach ihrer Flucht aus Syrien wurde sie 2016 ehrenamtlich für CampusAsyl aktiv. Zunächst fühle man sich in einer neuen Kultur verloren, erzählt sie und berichtet von ihren guten Erfahrungen mit den CampusAsyl-Kursen Motherschools und Women Together. Sie habe da unter anderem gelernt, ihren Kindern mehr Freiheit zu lassen.

Women Together zielt auf die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Frauen.  „Frauen sind wichtige Multiplikatorinnen“, sagt Mai Hamza, die das Projekt seit zwei Jahren leitet. Hamza betont, die Women-Together-Kurse wollten einen „Safe Space“ für die Teilnehmerinnen bieten: „Die Frauen vertrauen sich und unterstützen sich gegenseitig. Hier trauen sie sich, Deutsch zu sprechen, auch dann, wenn ihr Sprachniveau noch niedrig ist.“

Zwei Gruppen von bis zu 12 Teilnehmerinnen treffen sich gemeinsam mit Projektleiterin Mai Hamza und wechselnden Referent*innen jede Woche, um über verschiedene Themen und Aspekte der Integration in Deutschland zu sprechen. Neben dem „Leadership“-Kurs gibt es weitere Schwerpunkte: „Empowerment“ ist ein wichtiges Thema, ebenso Gesundheit – hier geht es um Ernährung, Verhütung oder um Selbstschutz  vor Gewalt. Zudem sollen die Frauen über ihre Rechte Bescheid wissen – ob in der Arbeitswelt oder im Umgang mit Diskriminierung. Auch auf eventuelle Vorurteile oder Anfeindungen will der Kurs sie vorbereiten – und darauf, wie sie mit solchen Situationen umgehen können.

Der aktuelle Kurs ist der vorerst letzte. Die Finanzierung läuft erst einmal aus. Die Teilnehmerinnen wollen sich aber trotzdem weiterhin treffen. Dass diese Kurse für Frauen über Jahre eine wichtige Anlaufstelle für Austausch und persönliche Entfaltung bieten, dafür ist Rafel Azem Amanuel ein gutes Beispiel. Sie ist ausgebildete Fachinformatikerin für Systemintegration und arbeitet beim Bistum Regensburg im IT-Bereich. Seit Jahren engagiert sie sich bei CampusAsyl, den Aufbau des WomenTogether-Projekts hat sie mitgestaltet: „Wir haben uns eine gute Atmosphäre geschaffen. Hier ist jede Frau wichtig und sichtbar“, sagt sie, die einst aus dem Irak nach Deutschland gekommen ist. In den auf Deutsch gehaltenen Kursen habe sie viele Kontakte geknüpft und ihre Sprachfertigkeit verbessert. Am aktuellen Kurs nimmt sie teil, weil sie weiter an sich selbst arbeiten will, sagt sie: „Ich will eine bessere Version von Rafel werden.“

 

von Katharina Kellner

 

 

 

 



31.03.2022 20:32,
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